Atemlos durch Lenzerheide

Ein gerissener Schaltzug im Rennen auf einer Stage mit besonders viel Uphill, ein Sturz auf einer Transferetappe mit Macke im Standrohr der neuen Gabel oder versagende Bremsen auf einer Stage, bei der Bremsen durchaus angesagt war – all das ist schnell vergessen, weil man bei der Trailtrophy sowieso schnell mal vergisst, überhaupt auf einem Rennen zu sein. Die Trailtrophy fühlt sich wie ein organisierter Bikeausflug mit Freunden an, bei dem man nebenbei am Ende der Tour einen Zettel mit seinen Stagezeiten in die Hand gedrückt bekommt.

Lenzerheide war nach Latsch, Breitenbrunn, St. Andreasberg/Braunlage und Kronplatz die letzte Destination der Trailtrophy 2015. Knapp 200 Teilnehmer gingen in 5 unterschiedlichen Klassen in vier Wertungsprüfungen (Allmountain-, Night-, Enduro- und Trail-Session) an den Start.

Abbildung 1: Lenzerheide Talstation

Da es für uns die erste Teilnahme bei der Trailtrophy war und wir dementsprechend aufgeregt waren, konnten wir es kaum erwarten, als es Freitags endlich los ging. Nachdem wir den Start der 50 schnellsten Fahrer der Serie ungeduldig überstanden hatte, Abbildung 1: Lenzerheide Talstation durften wir gegen ca. 14 Uhr endlich auf die Strecke. Am ersten Tag standen drei Stages der Allmountain- und zwei der Night-Session auf dem Plan, die blind gefahren werden mussten, falls man die Strecken nicht schon aus dem Urlaub oder aus vorherigen Jahren kannte.

Abbildung 2: Freitags lag noch Schnee

Mit dem Lift ging es zunächst hoch zur Mittelstation, von wo direkt die erste Etappe startete: Zunächst ging es durch eine Rinne mit Geröll, bei der ich vor lauter Aufregung erst mal Bekanntschaft mit einer in den Trail ragenden Hecke gemacht habe. Zu allem Übel befand man sich schließlich vor einem Anstieg, den man bei einem Endurorennen nicht unbedingt vermutet hätte. Fix und fertig (und das auf der ersten Stage) wurde man auf dem letzten Trailabschnitt aber noch einmal belohnt, weil dieser ziemlich technisch nach unten ging. Wieder in Lenzerheide angekommen, ging es auf der anderen Seite hoch auf den Piz Scalottas, von wo eine ziemlich flowige Strecke ab ging. Nachdem ich nach einem unbeabsichtigten Sprung über eine Stufe herausgefunden hatte, dass die Streckenposten nicht umsonst auf der Strecke standen, sondern auf Gefahrenstellen hinwiesen, wo man möglichst abbremsen sollte, konnte ich es ab sofort sorglos brettern lassen. Nach einer kurzen Verschnaufpause stand direkt die letzte Abfahrt der Allmountain-Session an: der ehemalige Schweizer Downhill, der mittlerweile Abbildung 2: Freitags lag noch Schnee glücklicherweise etwas entschärft worden ist. Nachdem ich auf mich auf einem Wurzelteppich (dabei lief es bis dahin super) lang gemacht habe, war ich doch ganz froh, mich für den Fullface-Helm entschieden zu haben. Als mir dann noch die Bremsen versagt haben, war ich einfach nur noch froh, überhaupt heil unten angekommen zu sein. Ab 20 Uhr ging es los zum Nightride, bei dem es zwei kürzere Stages zu bestreiten galt. Überraschenderweise standen einige Lenzerheider am Rand, die uns kurz vor Ende auf der Strecke (untere Teil vom Bikepark) mit Fackeln, Kuhglocken und Gebrüll nochmal richtig angefeuert haben.

Am Samstag morgen ging es mit dem Lift hoch auf knapp 3000 Hhm auf das Parpaner Rothorn, wo am Vortag noch ordentlich Schnee lag. Der Schnee war zwar wieder geschmolzen, kalt war es aber dennoch, sodass wir uns schnell auf den Weg zum Traileinstieg machten. Leider war ich so sehr damit beschäftigt, meine eiskalten Finger irgendwie warm zu bekommen, um überhaupt bremsen zu können, sodass ich überhaupt nicht mitbekam, wie schön es dort oben eigentlich ist. Das hat man dann erst später auf Fotos feststellen können.

Abbildung 3: Matze auf Stage 1 am Samstag

Von dort ging es in einen Trail in hochalpinem Gelände, von dem man am Vortag bereits besonders viel gehört hatte, zumal es durch das berühmt berüchtigte Felsenmeer ging – Abbildung 3: Matze auf Stage 1 am Samstag ein Trail, bei dem man sich nicht nur einmal gewünscht hat, ihn im Vorfeld schon einmal gefahren zu sein. Auf dem Transfer zur zweiten Stage habe ich fast nur geschoben, immerhin bin ich so – im Gegensatz zu Matze – nicht gestürzt und habe mir auch nicht meine Gabel, Rahmen und Knöchel vermackt ;-). Die zweite Abfahrt war nicht mehr ganz so verblockt und echt schön zu fahren, wenn man das Glück hatte, nicht gerade im Slalom um Trailkühe fahren zu müssen. Nach dem Mittagessen an der Mittelstation, das im Preis mit inbegriffen war, ging es (diesmal per Bike) hoch zur nächsten Stage. Wie man hörte, gab es letztes Jahr einige Beschwerden, dass die Stages zu kurz gewesen seien. Also hat man sich dieses Jahr überlegt, jede Etappe besonders lang zu machen. Das traf besonders für die dritte Zeitprüfung des Tages zu, bei der man sich in Höhe der Mittelstation wunderte, wo denn die Zielfahnen seien, ehe man durch die anfeuernden Fans am Rand darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es noch weiter gehe. Die 4. Etappe, auch Kuhantanamo genannt, war echt eine richtige geile Stage mit Spitzkehren und viel Downhill-Geballer. Mit einem fetten Grinsen gings dann zum Abschlusstrail des Tages, der allerdings noch einmal ziemlich tretlastig und damit allgemein ziemlich unbeliebt war.

Tag 2 endete schließlich mit einem leckeren 3-Gänge-Menü in einem 4-Sterne-Hotel. Nach dem Essen sind wir relativ schnell wieder in die Pension zurück, um uns für den letzten Tag zu erholen.

Sonntags standen noch einmal drei Prüfungen auf dem Plan, wobei die erste schon bekannt war, da wir sie schon am Freitag gefahren sind. Zum Glück lief es dieses Mal besser und dadurch, dass mein Schaltzug gerissen ist, hatte ich die Wahl, entweder vorne aufs kleine Ritzel zu Schalten (hinten ohne Schaltzug logischerweise im schwersten Gang) im Wiegetritt den Berg hochzustrampeln oder das Bike zu schieben. Da Letzteres nicht in Frage kam, habe ich mich hoch gequält und war schließlich 40s schneller als beim ersten Mal. Nach der Not-OP und neuem Schaltzug konnte ich entspannt zur zweiten Stage pedalieren, die nach einem kurzen technischen Einstieg (und kurzem Ärgern über die falsche Linienwahl) absolut flowig war und wirklich jeder mit einem fetten Grinsen unten ankam. Man könnte meinen, dass der Veranstalter mit der letzten Etappe noch mal sichergehen wollte, dass man an dem Wochenende wirklich alles bis zum letzten Tropfen gegeben hat. Hier ging es nicht mehr um Technik, sondern nur noch ums Pedalieren auf einer knapp 1km langen Schotterpiste. Hier konnte man noch mal richtig Sekunden holen – zumindest theoretisch.

Insgesamt lässt sich wirklich sagen, dass die Trailtrophy eine tolle Veranstaltung ist, bei der der Spaß und die Freude am Biken im Vordergrund stehen. Dies zeigt sich auch bei der Siegerehrung. Nicht nur die schnellsten Fahrer werden mit Geschenken belohnt, sondern auch blind gezogene Platzierungen, wie beispielsweise der 23. oder 77. Platz, bekommen einen Preis. Clever wie ich bin, habe ich mit zwei der besten Fahrerinnen, Jana und Alena, ein Mädels-Team gebildet, mit dem wir souverän den 1. Platz belegt haben und somit konnte sogar ich eine EVOC-Mütze und eine Pumpe von Crankbrothers absahnen. Matze landete trotz drei Stürzen auf dem 33. Platz (von knapp 90 Fahrern). Dank meines gerissenen Schaltzugs wurde ich glückliche 12. (von knapp 20 Fahrerinnen). Nächstes Jahr sind wir sicherlich wieder dabei und nach ganz viel Crossfit hoffentlich auch fitter!